Bye, Top Grossing Average

Je mehr Durchschnitt wir produzieren, umso schneller wird KI unsere Branche verschlucken. Eine Warnung aus der Filmbranche.

Wenn für Produkte nicht Geschäftsmodelle, sondern für Geschäftsmodelle "Produkte" gesucht werden, ist das Ende meist nah. Das gilt vor allem für Content (schreckliches Wort, tbh).

Unglaublich, aber wahr: in 2024 waren praktisch alle top-grossing-movies am amerikanischen Box Office Sequels. Mag sein, dass es sich um einen statistischen Outlier handelt. Vielleicht sagt es einfach auch nur viel über den Zustand der amerikanischen Pop-Kultur aus. Es führt einem in jedem Fall aber auch vor Augen, dass die großen Content-Ökosysteme dazu geführt haben, dass wir gelernt haben, immer homogeneren Content nachzufragen. Außerdem sind Aufmerksamkeitsspannen für wirklich Neues kleiner geworden.

Das alles wäre per se eigentlich nur für Kulturhistoriker in 20 Jahren spannend, wenn homogenerer Content nicht gleichzeitig bedeuten würde, dass er leichter austauschbar wird. Das wird der Spalt sein, durch den sich KI quetschen wird, um popkulturell allgegenwärtig zu werden. Wenn unser Anspruch an Content sinkt, hat es der Content per Knopfdruck (aka. AI-Content) einfach.

Für uns alle steht die "Echochamber of one" bereit

Wir werden uns künftig personalisierte Sequels von der KI generieren lassen. Oder eben Bücher, oder Musik. Jeder, der Suno intensiv angetestet hat, weiß, von was ich spreche. Für uns alle steht die "Echochamber of one" bereit (hello Utopia/Dystopia!). Und das schon sehr bald.

Wollen wir das? Wahrscheinlich nicht. Können wir es verhindern? Schwierig. Was steht dagegen? Authentizität und der Mensch. Klingt abgedroschen? Wenn es zu spät ist, hätten wir uns gewünscht, das Thema anzupacken.

Für uns Publisher ist der Hollywood-Case eine Warnung. Das Rennen um die Post-KI-Produkte gewinnen wir nicht mit "More of the Same", sondern mit echtem Journalismus und authentischen Produkten und Erlebnissen. Je früher wir das erkennen, umso besser. Wer will schon das nächste Warner sein?

[Meanwhile in AI-Town…]

SIMA 2 is self improving…

Googles DeepMind hat erst vor wenigen Wochen sein World Model SIMA2 vorgestellt. Ziel hierbei ist es, eine KI in virtuellen Umgebungen durch beständige Iterationen lernen zu lassen. Nun hat DeepMind ein Paper zu den internen Evaluationen veröffentlicht und die Benchmarks sind wirklich atemberaubend. Das Paper ist auf jeden Fall lesenswert und zeigt sehr klar, wo die Frontlinien für die Entwicklung in Richtung AGI tatsächlich verlaufen. Vor allem für Robotik-Anwendungen sind die Ergebnisse von DeepMind wegweisend.

Für den Endkunden und auch für Content-Produzenten sind die Implikationen sehr weitläufig. Vom einem virtuellen Gaming-Clan bis hin zu intelligenten NPCs in GTA 7 (harhar) ist alles denkbar. Die Stickyness von virtuellen Welten wird somit noch einmal deutlich erhöht. Wenn man jederzeit Zugriff auf gefügige Companions hat, stellt sich natürlich die Frage, ob und wieviel echte Interaktion noch benötigt wird. Andererseits, macht es sie dann nicht umso wertvoller?

Google Disco

Das ist sicher eine der spannendsten Neuerungen dieser Woche. Google Labs hat Disco veröffentlicht. Im Kern ist die Anwendung so konzipiert, dass beliebige Inhalte im Web mit einer adhoc-UI ausgestattet werden. Was sich dahinter verbirgt, lässt sich im Demo-Video ganz gut erahnen. Insgesamt spinnt Google einige Ideen weiter, die dem Web eine Art hyperindividuelles Interface überstülpen. Das Web wäre nur noch Dispositionsmasse für einen Browser, der nach individuellen Bedürfnissen der Nutzerin die Inhalte anreichert und umformt. Die Meldung ist im Release-Gewitter der letzten Tage untergegangen. Konzeptionell (vor allem auch wegen den Grundgedanken im Hintergrund) aber mega-interessant.

Für Publisher ist das in jedem Falle beobachtenswert, da es die Rolle von digitalen Outlets vollständig verändern würde. Von der naturgegebenen Kombination von Content und UI müsste man sich dann verabschieden. Publisher würden Informationslieferanten werden und das UI wäre davon entkoppelt. Darstellung käme dann aus dem Browser und einem Datacenter der großen Tech-Konzerne - in Realtime.

ChatGPT 5.2

Aktuelle Benchmarks zum neuesten Release von OpenAI. Grüße gehen raus an Gary Marcus. Nuff said.

➜ Weiterempfehlen: The Last Interface

Teile den Newsletter mit KollegInnen, die verstehen wollen, was an der Schnittstelle von Mensch und Maschine passiert.

/