Active AI: Wie OpenAI Pulse den Publishing-Markt weiter erodiert

🤖 Die Ära von Active AI hat begonnen

Die letzten Wochen waren in Sachen AI-Produkt-Releases verrückt. Nano Banana, Suno v5, Metas AI Glasses. Ich bin kaum hinterhergekommen. Richtig interessant wurde es für die Publisher-Welt allerdings gestern. OpenAI hat den nächsten Schritt in Sachen KI als Informations-One-Stop-Shop vorgestellt. Pro-User werden nun täglich mit Inhalten bespielt, welche vom User selbst eingebrieft werden können. Grundlage sind die täglichen Konversationen mit ChatGPT. Mit ein bisschen Fantasie denkt man an Samantha aus dem Film "Her" und kann sich vorstellen, wie das Produkt mal aussehen könnte.

Ich konnte das Feature gestern bereits testen und die Inhalte sind überraschend relevant. Durch die zusätzlichen Briefings werden die Cards-ähnlichen Inhalte immer personalisierter und führen zu einem erheblichen Lock-In-Effekt. Ich habe heute Früh neugierig die App geöffnet und wurde nicht enttäuscht. Die vorgeschlagenen Inhalte sind spannend und teilweise erschreckend passend.

Was bedeutet das für uns Publisher?

Pulse präsentiert zweierlei Informationen. Zeit-insensitiver Inhalt, der sich im Wesentlichen auf Problemstellungen aus Arbeit und Privatem bezieht. Der Inhalt ist generisch, aber personalisiert. Das macht die Push-Logik schon sehr spannend. Zusätzlich werden aber auch echte Nachrichten/News ausgespielt (ChatGPT wird "Publisher") und man kann sich personalisierte Push-Newsletter zu beliebigen Themen konzipieren. Das ist ein direkter Angriff auf den klassischen News-Konsum.

Ich habe immer wieder davon gesprochen, dass wir uns auf proaktive Antwort-Maschinen vorbereiten müssen, die per Push situativ angepasste Inhalte präsentieren. Pulse kommt dem sehr nahe. Für die User entstehen somit hyper-personalisierte Informationsumgebungen. Auf kurz oder lang wird die Sogwirkung noch stärker sein, als die eines TikTok-Feeds.

Was nun?

Klassische Publisher können und werden hier kaum mithalten. Umso wichtiger wird es, generischer Inhalte-Produktion weitestgehend auszuweichen und gemeinsam mit den besten Journalisten des Hauses auf echten Journalismus zu setzen. Von Menschen für Menschen wird immer wichtiger. Nur hier wird es in Zukunft noch Zahlungsbereitschaft geben. KI wird über Zeit zur Wissens-Almende, also müssen wir dorthin, wo wir komplementär wirken und unersetzbar sind.

Publisher sind nur in zweiter Linie Inhalts-Distributoren. Diesen Wettkampf haben wir gegen die großen Ökosysteme bereits verloren.

Oft habe ich das Gefühl, dass die Branche noch nicht akzeptieren will, dass wir uns von der Distributionsfokussierung der letzten beiden Jahrzehnte (Google, SocMed, Likes, Hot Traffic... you name it) verabschieden müssen. Publisher sind nur in zweiter Linie Inhalts-Distributoren. Diesen Wettkampf haben wir gegen die großen Ökosysteme bereits verloren. Distribution heißt Effizienz, und da gibt es gegen Google, OAI und Meta nichts zu holen. Wer die aktuellen Traffic-Entwicklungen beobachtet, weiß, das es kein Zurück gibt. Gleiches gilt schon lange für Social.

Was wirklich zählt ist der Fokus auf das, was Publisher seit jeher sein sollten. Kontextualisierer, Agenda Setter, Vermittler von Wissen und Passion für Themen. OpenAI Pulse ist nicht das Ende, aber eben ein weiterer Schritt in eine Publisher-freie Ära. Es sollte uns nicht in Panik verfallen lassen, aber den Blick dafür schärfen, dass das, was kommt, unausweichlich ist und wir uns JETZT Gedanken dazu machen müssen, was es bedeutet, ein journalistisches Haus zu sein.

Marco