OpenAI Sora 2: The Social Network Pt. II

Hyperpersonalized Content erobert Social Media

Gestern Abend wurde Sora 2 vorgestellt. Wenige Minuten später war X voll von ersten Insider-Demos und wenn die Cases nicht trügen, stehen wir an der Schwelle einer neuen Social-Era. Sora ist nicht nur ein einfaches Video-Gen-Tool wie sein Vorgänger (mit vielen Macken), sondern eine eigenständige App mit Feed-Mechanismus.

Die Qualität der Videos ist so unglaublich, dass es in fast allen Democases schwerfiel, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. In Konsequenz bedeutet das, dass OpenAI den nächste Schritt in Sachen Customized Content geht. Statt wie bisher bei TikTok und Konsorten den Algorithmus über Fütterung mit dem eigenen Nutzerverhalten zu steuern, wird er jetzt erpromptet. Maßgeschneiderter geht Content-Produktion und -Konsum nicht. Über die Stickyness von kleinen Videos von Freunden, die verrückte Sachen machen muss ich, denke ich, nicht sprechen. 

Meine Vermutung ist, dass wir bei Sora 2 die schnellste App-Adoption in der Geschichte des Smartphones erleben werden (Wer möchte wetten?). Die Viralität der Inhalte wird alles übertreffen, was wir bisher gesehen haben. Parallel wurde in den letzten Tagen kolportiert, dass OpenAI an einem eigenen AdStack arbeitet, um die Monetarisierung von Inventar in der eigenen Hand zu haben. Keine Mittelsmänner und maximale Optimierung des Produkts. Ich denke, es liegt nun im ersten Schritt auf der Hand, dass dies vor allem für Sora relevant sein wird und erst in zweiter Linie für ChatGPT. Der Feed wird zum (erprompteten?) Ad-Canvas. 

OpenAI braucht eine Money-Printing-Machine, um den hohen CAPEX beim Thema Energie und Hardware zu decken. Ad-Dollars sind dafür bestens geeignet. 

Was bedeutet das für unsere Branche? Wir müssen uns auf die nächste Disruption vorbereiten, auch weil TikTok und vor allem Meta nachziehen werden (Meta hat bereits vor einigen Tagen eine eigene Vision zum Thema GenAI Social vorgestellt). Konkret: 

  • Ad-Spendings werden noch einmal massiv neu verteilt. Auch diese Disruption wird zu Lasten der Publisher gehen, aber auch Meta und Google werden leiden.

  • Ads werden on the fly generiert werden. Wo bleibt Raum für das Agency-Ökosystem? Welche Rolle wird es einnehmen?

  • Media-Time-Spent bekommt einen neuen Abnehmer. TV und klassische Publishing-Dienste werden leiden. Jeder Nutzer hat nur 24h. Die höchste Stickness gewinnt. 

  • Hyper-personalized Entertainment bringt uns der Medienanarchie immer näher, in der Copyright und IP keine Rolle mehr spielen. Snowcrash lässt grüßen. 

  • Welchen Einfluss customized Video auf OTT, Kino und lineares TV haben, lässt sich nur schwer sagen, aber zumindest erahnen. 

Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen Entertainment-Zeitrechnung. Sora wird sicher nicht die finale Ausprägungsform sein, aber sie ist der Anfang. Deshalb freue ich mich auch, dass ich auf der LEaT con am 14.10 zum Thema sprechen kann! Ich freu mich!

Marco